Interaktive Installationen auf Messen und Ausstellungen

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Interaktive Multitouch Installationen auf Messen und Ausstellungen

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Wurden Sie auf einem Event schon mal von einem Tisch angesprochen, der nach Ihrer Visitenkarte gefragt hat? Wer öfters auf Messen unterwegs ist, kann beobachten, dass Unternehmen zunehmend digitale interaktive Installationen einsetzen, um mit ihren Zielgruppen zu kommunizieren. Der folgende Beitrag zeigt auf, wie solche Installationen eine effektive und effiziente Kommunikationsarbeit unterstützen können und welche Gesichtspunkte dabei von Kommunikationsverantwortlichen zu berücksichtigen sind.

Was ist eigentlich eine interaktive Installation?

Definitorisch umschrieben, ist sie ein meist digitaler, raumgreifender, ortsgebundener und oft auch orts- oder situationsbezogener Technikaufbau mit kommunikativer oder auch künstlerischer Absicht. Mit Bezug auf die Unternehmenskommunikation sind das beispielsweise Multitouch-Tische, interaktive Vitrinen oder auch interaktive Projektionen. Die Installationen werden dabei nicht wie klassische Personal Computer mit Maus und Tastatur gesteuert, sondern vielmehr durch intuitive Interaktionsarten wie mit Bewegungen oder Gesten, mittels Gegenständen oder auch durch die Bewegung der Akteure im Raum. Interaktiv bedeutet dabei, dass der Benutzer kein passiver Betrachter ist, sondern über eine Sensorik direkten Einfluss auf die Installation nimmt.

Interaktive Tische mit Multitouch-Technologie

Zur Veranschaulichung betrachten wir eine von Unternehmen bereits heute vielfach genutzte, vergleichsweise übersichtliche interaktive Installation: Einen Multitouch-Tisch. Er vereint durch seine Bauweise tradierte Grundsätze eines zentralen Nutz- bzw. Arbeitsmöbels mit den neueren Interaktionsarten von Touch-Gesten auf seiner Oberfläche („wischen“, „antippen“, „zoomen“ etc.). Ein Multitouch-Tisch ist grundsätzlich auch eine Multi-User Installation, da er bis zu 80 parallele Touch-Eingaben auf seiner Oberfläche verarbeiten kann. Benutzer können Inhalte wie Bilder, Texte, Videos und 3D-Modelle betrachten, sowie digitale Elemente frei auf der Oberfläche bewegen, verändern und aktivieren. Häufig wird die Interaktivität über Objekterkennungs-Module noch gesteigert. Oft kommen, zur Freude des Benutzers, auch Spiele oder zumindest spielerische Ansätze der Inhalts-Präsentation zum Einsatz („Gamification“). Über zusätzliche mediale Elemente wie Beleuchtung und Soundeffekte werden weitere Sinne angesprochen und der Gesamteindruck verstärkt.

Multitouch-Tisch mit Objekterkennung am Stand des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf der Grünen Woche 2017 in BerlinMultitouch-Tisch mit Objekterkennung am Stand des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf der Grünen Woche 2017 in Berlin

Anwendungsfälle aus der Praxis

Wie nutzen Unternehmen diese Vielzahl an Möglichkeiten nun konkret auf Messen und Ausstellungen? Zunächst sind interaktive Installationen häufig ein Eyecatcher mit einer gewissen Fernwirkung. Das heißt, sie unterstützen durch ihr Dasein die Attraktivität für Besucher, an den Stand zu kommen. Eine Ansprache des Besuchers durch das Standpersonal kann der Multitouch-Tisch in gewissem Rahmen ersetzen, indem er den Besucher eigenständig begrüßt (visuell oder auditiv) und ihm z.B. verschiedene Themen und Inhalte anbietet. Ein Objekterkennungs-Modul gibt dem Besucher beispielsweise multimediale Informationen zu einem Produkt, das er auf dem Tisch platziert. Hier erfolgt also eine Verknüpfung von analog und digital, die einen gewissen Überraschungseffekt für den Besucher bedeutet. Der Tisch kann den Besucher auch um seine Visitenkarte bitten, die dann per Kamera erfasst und sogleich digital auf dem Tisch abgebildet wird. Der Besucher kann sich mit seiner digitalen Visitenkarte anschließend für einen Newsletter anmelden oder auch an einem Gewinnspiel teilnehmen. Somit werden klassische Messeziele wie die Kontaktgenerierung erreicht.

Kommunikationswissenschaftliche Einordnung

Der Multitouch-Tisch ist ein Beispiel dafür, wie es gelingen kann, potenzielle Standbesucher aufmerksam zu machen, sie für bestimmte Inhalte zu interessieren und zu einer aktiven Beteiligung einzuladen. Die kommunikative Botschaft erreicht ihn also nicht nur, sondern er verknüpft und verinnerlicht sie mit einem Erlebnis. Im Vergleich zu einem klassischen Messestand mit ausschließlich analogen bzw. passiven Medien können interaktive Installationen ein informationsfreundliches und gleichzeitig kommunikationsfreundliches Standkonzept realisieren - teilweise sogar ohne Standpersonal. Dadurch, dass der Besucher selbst Inhalte wählen kann und Interaktionen bestimmt, wird ein hoher Adressatenbezug erreicht. Das Unternehmen forciert die kommunikativen Ziele durch die hinterlegten Inhalte, durch die Benutzerführung sowie durch die spielerische Aufbereitung. Im besten Fall spielen an einer Ecke des Tisches Kinder mit den virtuellen Produkten des Unternehmens, während sich auf der anderen Seite des Tisches ein Investor einen Eindruck über die Produktionsstandorte verschafft.

Praktische Hinweise für Kommunikationsverantwortliche

Die hier skizzierten neuen Möglichkeiten moderner Technologien auf Messen und Ausstellungen sollte man natürlich nicht ohne gesunde Skepsis sehen. Dazu gehört, dass eine interaktive Installation niemals die Qualität einer Face-to-Face Kommunikation erreichen kann. Sie kann diese jedoch sinnvoll unterstützen, beispielsweise in Form einer digitalen Präsentation, durch die das Standpersonal die Besucher führt und an der entlang das Gespräch geleitet wird. Auch kann ein Technikaufbau niemals eine gute Kommunikationsplanung ersetzen. Vielmehr muss die Installation besonders umfassend in die bestehende Kommunikation integriert werden. Das fällt Unternehmen noch schwer, die bislang wenig Erfahrung mit digitalen Inhalten und neuen Präsentationsformen haben. Einige Kommunikationsverantwortliche lassen sich durch die vergleichsweise hohe Startinvestition für eine interaktive Installation abschrecken. Dabei ist diese mittelfristig gesehen sogar besonders ökonomisch, da die Hardware über mehrere Jahre genutzt werden kann und lediglich die digitalen Inhalte je nach Event zu überarbeiten sind. Eine hohe Flexibilität bietet dabei ein Content-Management-System, das von der Unternehmenskommunikation selbst pflegt und so den unterschiedlichen Zielen und Zielgruppen angepasst werden kann.

Fazit: Eine gute kommunikative Planung und Integration vorausgesetzt, stellt eine interaktive Installation ein effektives und effizientes Kommunikationsmittel dar, mit dem Potenzial Besucher zu Benutzern zu machen und sie für die Angebote des Unternehmens zu begeistern.

(Der Text von Andreas Köster erschien ursprünglich im Magazin für Wirtschaftskommunikation "black box" im Herbst 2017.)