Multitouch-Gesten mit Lean Touch für Unity – Usability Optimierungen

Garamantis Blog


Multitouch-Gesten mit Lean Touch – Usability Optimierungen

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Sobald es um Erkennung und Verarbeitung von Multitouch-Gesten auf Multitouch-Screens geht, führt kaum ein Weg vorbei an dem Unity Modul Lean Touch. Die weit verbreitete Open Source Software verarbeitet die gängigsten Multitouch-Gesten wie beispielsweise scroll, zoom, pinch, rotate usw. und stellt somit die Grundlagen für eine Eingabe per Multitouch-Screen bereit. Zudem wird die Software weiterentwickelt und ist somit up to date.

Schwächen von Lean Touch

Ein Nachteil von Lean Touch ist die begrenzte Anzahl von unterstützten Multitouch-Gesten. So wird beispielsweise keine kapazitive Objekterkennung unterstützt, bei der drei auf einem Marker aufgebrachte Touch-Punkte erkannt werden. Für die Objekterkennung hat Garamantis Lean Touch für Unity daher erweitert, sodass unterschiedliche Objekte, deren genaue Position sowie Rotation zuverlässig verarbeitet werden. Auch eine Implementierung des TUIO-Protokolls und die Erkennung von Finger-Größen auf verschiedenen Auflösungen fehlt leider.

Auf Multitouch-Tischen kommen darüber hinaus häufig frei bewegbare und skalierbare Infokarten zum Einsatz. Auf diesen Infokarten befinden sich Inhalte wie Bilder, Texte und Videos durch die sich der Benutzer navigiert. Eine typische Nutzungssituation sieht so aus, dass an allen vier Seiten des Multitouch-Tisches Benutzer stehen und mit einer oder sogar mehreren Infokarten arbeiten, diese verschieben und die darin enthaltenen Inhalte konsumieren. Genau hier bestehen in Lean Touch erhebliche Schwächen der Usability: Die Software kann nämlich nicht unterscheiden, ob der Benutzer mit seinen Touch-Gesten die Infokarte selbst verschieben oder vergrößern möchte - oder aber ob er durch die Inhalte der Karte navigieren möchte.

Beispiel: Ein Benutzer toucht auf den Inhalt einer Karte und schiebt seinen Finger über den Screen. Möchte er in diesem Fall die Karte verschieben oder möchte er den darauf dargestellten Text scrollen? Oder befindet sich sein Finger auf einem Button, den er eventuell aktivieren möchte? Häufig passiert dann leider nicht, was der Benutzer eigentlich wollte und er ist irritiert oder sogar frustriert.

Usability Optimierung: Kontextbasierte Touch-Erkennung

Multitouch-Entwickler von Garamantis haben Lean Touch um wichtige Touch-Gesten erweitert und in diesem Rahmen eine kontextbasierte Touch-Erkennung entwickelt. Die intelligente Touch-Erkennung verarbeitet dabei die aktuell angezeigten Inhalte auf denen die Gesten ausgeführt werden und setzt dann die Aktion um, die der Benutzer im Einzelfall mit der höchsten Wahrscheinlichkeit ausführen möchte. Befindet sich sein Finger z.B. auf einer Infokarte auf einem scrollbaren Text und bewegt den Finger auf und ab, wird er wahrscheinlich in diesem Moment den Text scrollen wollen. Bewegt er seinen Finger dagegen nach links oder rechts, wird er wahrscheinlich eher die ganze Karte verschieben wollen. Ähnliches gilt für Buttons auf beweglichen Infokarten: Die Kontextbasierte Touch-Erkennung aktiviert nicht sofort bei der ersten Berührung den Button sondern „wartet“ noch einige Millisekunden ab, ob der Benutzer nicht eigentlich die Karte verschieben möchte (die zeitliche Verzögerung ist so gering, dass sie vom Benutzer nicht wahrgenommen wird – er bemerkt lediglich zufrieden, dass das passiert, was er eigentlich wollte).

Fazit

Durch diese und weitere Usability Optimierungen auf Basis von Lean Touch wurden die eingangs genannten Schwächen beseitigt. Somit ist eine universell anwendbare Touch-Erkennung entstanden, die in fast sämtlichen Multitouch-Projekten von Garamantis Anwendung findet. Projekte können somit ohne zusätzliche Hardware realisiert werden, wobei die Benutzererfahrung besonders hochwertig und intuitiv ist.