Immersive Lichtskulptur „Der Baum“

Echtzeit-Inszenierung für das Centerpiece von „Mythos Wald“ im Gasometer Oberhausen

Für die Ausstellung „Mythos Wald“ im Gasometer Oberhausen entstand ein Centerpiece, das es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Im Mittelpunkt steht ein monumentaler Baum, der sich über den gesamten Raum erhebt und Licht, Projektionen und Musik zu einer dichten Inszenierung verbindet. Garamantis entwickelte die echtzeitfähige Inszenierungssoftware, plante die Experience Logic und setzte die Systemlogik so um, dass aus der großen technischen Struktur ein präzise steuerbares Erlebnis wurde.

Der Auftrag kam von Ars Electronica Solutions. Garamantis begleitete das Projekt von Anfang an mit Fokus auf Software, LED-Playback und Echtzeitsteuerung. Dabei ging es nicht nur darum, Inhalte sichtbar zu machen. Entscheidend war, dass Licht, Bewegung, Timing und Musik in jeder Szene stimmig ineinandergreifen. Genau an diesem Punkt zeigt sich, was große immersive Systeme benötigen: eine Software, die Inhalte, Raum und Technik in ein gemeinsames System übersetzt.

Ein immersives Centerpiece für die Ausstellung „Mythos Wald”

Die Lichtskulptur öffnet den Blick aus einem inszenierten Wurzelraum und Baumstamm aus LEDs bis hoch in eine abstrahierte Baumkrone. Dort verbinden sich die LEDs mit Projektionen zu einer räumlichen Erzählung über Jahreszeiten, Wetter, Energieflüsse und die verborgenen Prozesse des Waldes.

Die Dimensionen zeigen bereits, worum es hier geht. Der Baum ist 33,8 Meter hoch. Der Gaze-Ring des Projection Mappings hat einen Durchmesser von 30 Metern. Das Wurzelwerk spannt sich über 50 Meter. Der Stamm misst im unteren Bereich 7,5 Meter im Durchmesser. Insgesamt bringt die Konstruktion der Lichtskulptur 11 Tonnen auf die Waage.

Hinzu kommt eine Medienarchitektur, die in dieser Größenordnung nur mithilfe sauber geplanter Software beherrschbar ist. Insgesamt wurden 2,8 Kilometer LED-Stränge bespielt. Das System steuerte 42.892 Pixel, 300 Universen und 343.136 einzelne LED-Leuchtdioden an. Für die Projektion der Baumkrone kamen sechs Projektoren zum Einsatz.

Experience Logic und Software made by Garamantis

Garamantis übernahm im Auftrag von Ars Electronica Solutions die Softwareseite der Inszenierung. Das Team entwickelte die Experience Logic, setzte die Systemlogik auf und baute die Infrastruktur für das LED-Playback. Hinzu kam ein Custom Tooling, mit dem sich Animationen, Übergänge, Timings und Parameter direkt vor Ort arrangieren und anpassen ließen.

Die technische Basis bildete dabei eine zentrale Unity-Echtzeit-Engine. Dieser Ansatz war für das Projekt entscheidend. Denn die Inszenierung musste nicht nur auf dem Bildschirm, sondern auch auf dem realen Objekt in diesem Raum unter diesen Bedingungen gut funktionieren. Genau deshalb setzte Garamantis auf ein System, das Inhalte direkt am Baum sichtbar machte und Anpassungen ohne Umwege erlaubte.

So konnte das Kreativteam Szenen live entwickeln, verändern und präzise mit Musik und Projektion abstimmen. Übergänge zwischen den Jahreszeiten ließen sich feinjustieren. Lichtwechsel konnten direkt in ihrer räumlichen Wirkung geprüft werden. Auch das Zusammenspiel von LEDs und Projektion blieb dadurch offen genug, um spontan verbessert zu werden. Aus technischer Sicht war dies keine Nebensache, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Inszenierung am Ende geschlossen und überzeugend wirkt.

Herausforderungen waren der riesige Maßstab, knappe Zeit und Kälte

Dieses Projekt stellte hohe Anforderungen, und zwar nicht nur wegen seiner Größe. Der Zeitrahmen war eng. Gleichzeitig musste die Inszenierung in einer realen, außergewöhnlichen Umgebung entstehen. Der Gasometer Oberhausen ist kein neutraler Testraum, sondern ein riesiges Industriedenkmal mit langen Wegen, großen Distanzen in der Verkabelung und besonderen elektromagnetischen Bedingungen durch die Stahlstruktur.

Hinzu kam die Jahreszeit. Die heiße Phase der Umsetzung fiel in die kältesten Wochen des Jahres. Das Garamantis-Team arbeitete über längere Zeit direkt vor Ort bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Gerade bei solchen Projekten zeigt sich sehr schnell, ob ein System nur theoretisch gut durchdacht ist oder auch unter echten Bedingungen funktioniert.

Warum der Echtzeit-Ansatz bei „Mythos Wald” den Unterschied gemacht hat

Gerade bei großen, immersiven Installationen zeigt sich schnell, wie begrenzt ein rein vorgerenderter Ansatz sein kann. In Oberhausen mussten Szenen direkt am Objekt entwickelt und angepasst werden. Das betraf nicht nur kleine Korrekturen, sondern die eigentliche Erarbeitung der Inszenierung.

Sämtliche Szenen entstanden direkt vor Ort und wurden dort weiter ausgearbeitet. Das Timing zur Musik ließ sich live korrigieren. Projektion und LEDs konnten spontan neu aufeinander abgestimmt werden. Die Übergänge zwischen den Jahreszeiten wurden iterativ feinjustiert, bis sie in Bild, Licht und Rhythmus stimmten.

Dadurch gewann das Projekt an Qualität und Tempo. Das Kreativteam konnte schneller entscheiden, da Änderungen sofort sichtbar wurden. Proben liefen effizienter, da zwischen Idee und Ergebnis kaum Verzögerung lag. Zudem gewann die Inszenierung an Präzision, da sie nicht abstrakt vorbereitet, sondern unter realen Bedingungen entwickelt wurde.

Fazit: Große immersive Systeme brauchen Software, nicht nur Content

Mit der Echtzeit-Inszenierung für das Centerpiece von „Mythos Wald” zeigt Garamantis deutlich, wo der eigene Schwerpunkt liegt. Das Team entwickelt keine bloßen Medienabläufe. Garamantis entwickelt Experience Logic und echtzeitfähige Inszenierungssoftware, die große räumliche Installationen flexibel steuerbar macht und sie insgesamt überzeugend erscheinen lässt.

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Ars Electronica

Ars Electronica Solutions

Projektdaten

  • Kunde: Ars Electronica Solutions
  • Kontext: immersive Ausstellung „Mythos Wald“
  • Umsetzungsdauer: 4 Monate
  • Projektabschluss: März 2026
  • Technische Planung und Beratung
  • Entwicklung von Echtzeit-Engine und Custom-Tooling
  • Vor-Ort-Inbetriebnahme

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Ina Badics

‚Der Baum‘ ist der dramaturgische Höhepunkt von Mythos Wald. Unser Ziel war eine Inszenierung, die einen Baum nicht nur von außen zeigt, sondern auch sein Innenleben erlebbar macht – vom stillen Erwachen bis zur Kraft der Jahreszeiten. Nur mit unserem langjährigen Partner Garamantis konnten wir die Lichtskulptur in kürzester Zeit so zum Leben erwecken, dass Design, Technik und Komposition perfekt harmonieren.

Ina Badics, Senior Projektmanagerin, Ars Electronica Solutions
Michael Mondria

Mit „Der Baum“ realisieren wir ein Centerpiece, das in Maßstab und Anspruch exemplarisch für unsere Arbeit steht: ein künstlerisches Konzept, das nur dann seine volle Wirkung entfaltet, wenn Kreativität und Technologie perfekt ineinandergreifen. Dafür braucht es Partner, die nicht nur liefern, sondern auch Verantwortung übernehmen und mitdenken – und genau das schätzen wir an Garamantis.

Michael Mondria, Director, Ars Electronica Solutions

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