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Mrz 2021

Virtuelle Umgebungen – Geschäftsmodelle im digitalen Raum

Virtuelle Galerie der Einheit

In Zeiten von Corona setzen Unternehmen und Organisationen gezwungener Maßen stärker auf virtuelle Umgebungen. Sie verlagern klassische Live-Touchpoints wie Messen, Showrooms oder Events aktuell häufig in den digitalen Raum. Welche Entwicklungen Garamantis dabei beobachtet und welche Chancen daraus resultieren, erfahren Sie in diesem Interview.

Wie sehen solche neuen virtuellen Formate aus, die komplett in den digitalen Raum verlegt werden und die Garamantis mitentwickelt?

Wir haben bei einigen Projekten mit einer begehbaren 3D-Umgebung gearbeitet, bei der die Besucher*innen sich frei im Raum bewegen können, andere Besucher*innen zufällig treffen und mit ihnen reden bzw. chatten können. Das Besondere dabei ist, dass die 3D-Welt mit VR-Brillen aber auch mit dem Smartphone oder Desktop PC zugänglich ist. Sie steht somit allen Nutzer*innen mit einem Klick sofort zur Verfügung. Solche Projekte haben wir beispielsweise mit unserem Partner mediapool für den Karneval der Kulturen in Berlin sowie für die Einheits-Expo zum Tag der Deutschen Einheit 2020 umgesetzt.

Was macht solche digitalen Formate aus? Was ist das Neuartige daran? Wo seht ihr da Chancen, wo Schwierigkeiten?

Die meisten Technologien waren schon lange vor Corona da, jedoch erfahren sie seit der Pandemie ein besonders großes Interesse. Bei den beschriebenen Projekten haben wir beispielsweise auf das “Hubs Project” von Mozilla aufgesetzt, an dem die Open Source Community schon seit Jahren entwickelt. Wir mussten das Rad also nicht neu erfinden, sondern konnten auf diesen Technologien aufbauen.

Was aus unserer Sicht besonders wertvoll ist bei digitalen Veranstaltungen, ist das neugierige Erkunden der Besucher*innen und das zufällige Begegnen und Austauschen zwischen ihnen. Das ist ein essentieller Bestandteil jeder Veranstaltung und kann von einer klassischen Videokonferenz nicht erreicht werden. Die Leute sollen sich voller Vorfreude durch einen schön gestalteten digitalen Raum bewegen können, Dinge entdecken und sich individuell damit beschäftigen. Vor allem sollten sie aber wie gesagt die Möglichkeit haben, sich mit anderen einfach und ohne Vorbereitung in der digitalen Welt auszutauschen.

Interessant für Garamantis sind Formate, die häufig “hybride Events” genannt werden. Also Veranstaltungen, die gleichzeitig analog und digital stattfinden und eine direkte Interaktion zwischen allen Teilnehmer*innen ermöglichen. Ein paar Beispiele: Auf der Einheits-Expo konnten alle Bürger*innen Kunstwerke in Form von Bildern, Videos und Audios einreichen. Diese wurden nicht nur analog sondern auch in der 3D-Welt ausgestellt. Hier konnten sogar viel mehr Kunstwerke gezeigt und erklärt werden, als das analog möglich gewesen wäre. Darüber hinaus gab es in der 3D-Welt ein Fenster in die reale Welt, die als Live-Stream realisiert war. Andersherum kann es auch Fenster in die digitale Welt hinein geben, beispielsweise durch Multitouch-Screens, durch die die Besucher*innen vor Ort die digitalen Teilnehmer*innen sehen können. An solchen Schnittstellen arbeiten wir besonders gerne und experimentieren damit.

Virtuelle Umgebungen - digitale Geschäftsmodelle

Gab es da seit Ausbruch der Corona Pandemie mehr Anfragen bzw. eine gesteigerte Nachfrage? Was wird seitdem gewünscht? Wie ist da der Trend?

Ja, es gibt eine sehr große Nachfrage nach allen Arten von digitalen und hybriden Formaten. Die Anfragen reichen von remote Vertriebspräsentationen, über digitale Messen bis zu virtuellen Führungen. Sobald man nicht mit realen interaktiven Stationen arbeitet, die sich physisch an den entfernten Standorten befinden, ist man grundsätzlich auf Webtechnologien begrenzt. Diese Begrenzung ist eine Herausforderung, wenn man ein eindrückliches und immersives Erlebnis erzielen möchte. Dafür sind Webtechnologien leider nicht ausgerichtet.

Wir freuen uns immer über außergewöhnliche Ideen und Wünsche, die vorher noch niemand umgesetzt hat. In verschiedenen Projekten möchten wir das technisch Machbare maximal ausreizen. Wobei man sagen muss, dass die meisten Unternehmen erst einmal ihre Hausaufgaben machen müssen. Also beispielsweise in klassischen Videokonferenzen mit einem hochwertigen Kamerabild und hochwertiger Tonqualität intuitiv ihre Medien präsentieren können. Dabei kann schon ein kleines Green-Screen-Studio im Unternehmen und eine interaktive Präsentationssoftware viel erreichen. Somit können Unternehmen schon mal in den normalen Videokonferenzen positiv auffallen.

Wie lässt sich Geschäftsmodelle im digitalen Raum monetarisieren? Online-Angebote oder Streaming-Angebote sind ja oft kostenlos.

Für gute und persönliche live Angebote und Veranstaltungen sind die Leute bereit, Geld auszugeben – egal ob analog oder digital. Diese Tatsache monetarisiert beispielsweise das Unternehmen Airbnb sehr erfolgreich mit seiner Plattform Experiences. Dort können Menschen tanzen lernen, an kleinen Konzerten teilnehmen oder gemeinsam mit Drag Queens Cocktails mixen. Alles über einen einfachen Live-Stream, aber eben mit der Möglichkeit interaktiv einzugreifen, Fragen zu stellen und sich auszutauschen.

Ich selbst liebe die Stadt Prag und habe kürzlich nachts auf der Plattform an einer “Nachtwächter-Tour” durch die Goldene Stadt teilgenommen. Mit einer Handvoll anderer Prag-Fans aus der ganzen Welt und einem kühlen Pilsener Urquell hat das viel Spaß gemacht – und war dabei technisch total simpel.

Unternehmen haben im Vergleich zu den in der Regel Solo-Selbstständigen solcher Plattformen natürlich viel weitreichendere Möglichkeiten. Sie können ganze Erlebnis-Messen aufbauen und ihren Geschäftskunden vor konfigurierte VR-Brillen und Produktproben zu senden. Für solche Unternehmen arbeiten wir dann beispielsweise.

Wie wird es mit solchen Formaten weitergehen? Wie kann sich so etwas etablieren – auch über die Pandemie hinaus?

Wir sehen noch viel Potential im Bereich von Remote-Präsentationen. Also die Frage “Wie werden Unternehmensinhalte im Video-Gespräch beeindruckend und spielerisch präsentiert?”. Wo momentan noch das Webcam-Bild und der geteilte Desktop mit PowerPoint-Präsentation der Status Quo sind, lassen wir stattdessen die Teilnehmer*innen einen virtuellen Showroom betreten. Der Präsentator wird live gefilmt und geschnitten und ist dann Teil der 3D-Umgebung des Unternehmens, beispielsweise einer Produktionsanlage. Durch Remote Rendering funktioniert das unabhängig vom Endgerät der Teilnehmer*innen, kann also über Webtechnologien übertragen werden.

Messen und Events stellen wir uns in Zukunft grundsätzlich hybrid vor. Online partizipierenden Teilnehmer*innen können über Telepräsenz-Screens oder auch Telepräsenz-Roboter beim physischen Event sichtbar in Erscheinung treten und es kann eine transparente Kommunikation zwischen dem Vor-Ort-Event und der Online-Repräsentation stattfinden.

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